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Eine alte knorrige Eiche und Ich
Letzten Sonntag war ich mit einer Freundin im Binger Wald spazieren. Bäume ziehen mich schon lange in ihren Bann. Ihre Schönheit, ihre Erhabenheit, ihre Duldsamkeit, ihre Verbindung untereinander, ihre Kraft, ihre Vielfalt und – Achtung, es wird spirituell – ihre Schwingung, ihre Energie.
Sie spenden Leben, einfach durch ihr Sein. Sie schenken Schatten, wenn die Sonne auf uns herniederbrennt. Sie sind Schutz und Heimat für andere Lebewesen. Und bestimmt noch viel mehr.
Ich war schon immer gerne im Wald, nach der Trennung von meinem Partner war ich fast täglich dort. Ich lief weinend, jammernd, schreiend – ok, nur wenn keiner in der Nähe war -, nach dem Sinn fragend, mit Freundinnen telefonierend – immer wieder die gleichen Geschichten erzählend, die gleichen Fragen stellend -, mich selbst bedauernd, wütend und traurig durch den Wald. Der Wald war da, geduldig, zuhörend, mich tröstend. Manches Mal „rief“ mich ein Baum und ich berührte ihn, nahm mit geschlossenen Augen Kontakt auf und entweder spürte ich, wie etwas in mich hineinfließt – Kraft, eine besondere Energie – oder es wurde etwas aus mir herausgezogen – Schwere, Trauer, Angst – und es wurde leichter. Danke!
Zurück zum Ausflug in den Binger Wald. Wir sind den Erlebnispfad gelaufen – sehr zu empfehlen – und legten uns in Hängematten, die an einer Stelle im Wald einladen, Pause zu machen. Hin und her gewiegt zu werden, ein Blätterdach über dem Kopf an einem Sommertag – was will Frau mehr. Habe mir vorgenommen, hier mal mit Proviant, einem Buch und einer Decke an einem Wochentag außerhalb der Ferienzeit einen Tag zu verbringen, nur ich und die Bäume.
Irgendwann sind wir dann doch weitergelaufen 🙂 und kamen an eine Lichtung. Meine Freundin ging weiter, doch mein Blick wurde wie magisch nach links gelenkt und dort stand sie: eine sehr alte, in alle Richtungen wachsende, knorrige, majestätische Eiche.
Ich bewunderte sie eine Zeit lang, voller Dankbarkeit, dass es etwas so Schönes gibt, hach. Dann ging ich zu ihr und nahm über meine Hände Kontakt auf. Ihre Energie war sehr kraftvoll und unbeschreiblich schön. Ich schloss die Augen und genoss. Plötzlich hörte ich in meinem Kopf, dass sie zu mir sprach.
Sie sagte mir: „Hast du bemerkt, dass manche Menschen achtlos an mir vorbeigehen; meine Schönheit, Stärke, Kraft und Energie nicht bemerken. Und dann gibt es Menschen wie du, die sich von mir angezogen fühlen, die mich wahrnehmen, obwohl ich etwas abseits vom Weg stehe. So ist es auch bei Dir. Es gibt Menschen, die dich nicht fühlen, dich nicht wahrnehmen, für die du keine Bedeutung hast – und es gibt Menschen, die dich spüren, für die du wichtig bist, für die du Inspiration bist, Kraftquelle, Quelle der Freude. Menschen, die dankbar sind, dich gefunden zu haben. Menschen, die dankbar sind, dass es dich gibt.
Werte es nicht. Es ist nicht gut oder schlecht. Es ist! Die Menschen, für die du unsichtbar bist oder ohne Wert, dürfen weitergehen. Es ändert nichts an dem, was und wer du bist, nichts an deinem Wert.
Hör auf, diesen Menschen nachzurufen, ihnen zu winken oder ihre Aufmerksamkeit sonst wie gewinnen zu wollen. Das ist verschwendete Energie. Freue dich am Kontakt mit den Menschen, für die du bedeutend bist, die dich erkennen, dich feiern. Und auch hier, tue nichts, sie zu halten, zu binden, zu beeindrucken. Sei einfach weiter du. Halte deine Energie bei dir.
So wie du gleich weitergehst, gehen auch manche Menschen irgendwann weiter. So wie du mich, meine Schönheit und meine Kraft in Erinnerung behältst und vielleicht irgendwann wiederkommst, so wird es auch mit den Menschen sein, die – nachdem sie sich mit dir verbunden haben – weitergehen. Du bleibst Teil ihrer Geschichte und sie Teil deiner. Auch wenn Abschied mit Wehmut verbunden ist, so macht er Platz für die nächsten Verbindungen, die nächsten spannenden Begegnungen. Damit meine ich nicht, beliebig zu sein, beliebig zu werden. Vielleicht kommt lange niemand vorbei, mit dem echte Verbindung möglich ist. Womöglich kommen auch Menschen in dein Leben, um zu bleiben. Schau, ich stehe hier ja auch nicht alleine. Mein Netz ist stabil. Du und Andere, die mich erkennen, sind das Sahnehäubchen auf dem – auch ohne Sahne – wohlschmeckenden Kuchen. Lerne, das JETZT zu leben und zu genießen – so wie ich. “
Ich bin zutiefst dankbar für diese Botschaft. Die Trennung von meinem Partner ist jetzt über 2 Jahre her und jetzt kann ich verstehen, wieso ich ihn manchmal immer noch spüre, obwohl ich den Menschen, der er heute ist, gar nicht mehr kenne. Und es ist ok.
Ich erkenne auch, dass ich in den letzten 2 Jahren unsichtbar und unfühlbar wurde für Verbindung mit vorbeigehenden Männern, also für Liebesbeziehungen. Ich habe bewusst meine Wurzeln gestärkt, bin gewachsen, bin geheilt; verströme heute eine andere Energie als damals. Ich habe verstanden – nicht nur im Kopf -, dass mein Wert nichts damit zu tun hat, wer an mir vorüberzieht oder wer nach einer gewissen Zeit weitergeht.
Ein Waldspaziergang mit nachhaltiger Veränderung. DANKE, wundervolle Eiche, ich werde dich wieder besuchen.
Wer jetzt Lust auf ein Naturcoaching mit mir bekommt, darf sich gerne melden.